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"Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen." Friedrich Nietzsche

Archiv für die 'Roman' Kategorie

[Rezension] Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray

Erstellt von Anja am 31. Dezember 2009

Der 1. Satz:

Das Atelier war von starkem Rosenduft erfüllt, und wenn der leichte Sommerwind die Bäume des Gartens hin und her wiegte, strömte durch die offene Tür das schwere Aroma des Flieders oder das zartere Parfum des Rotdorns.

Kurzbeschreibung: Als der extrem gutaussehende und schüchterne Dorian Gray sein Portrait erblickt, äußert er einen folgenschweren Wunsch: Sein Portrait soll an seiner Statt altern und die Last der Zeit tragen. Er aber soll immer sein jugendliches Aussehen behalten und würde dafür seine Seele geben.

Wider Erwarten wird der Wunsch Dorian Grays erfüllt. Bald schon, als er sich dem dekadenten Leben der Londoner Oberschicht hingibt, bemerkt er erste Veränderungen in seinem Bild, die ihm ganz und gar nicht gefallen. Doch was hilft es? Er schließt das Bild weg, verbirgt es vor neugierigen Blicken. In den Folgenden Jahren behält er sein unschuldiges Äußeres, doch das Bild wird mehr und mehr zu einem Dämon, dessen Gestalt Dorian nicht mehr loslässt…

Meine Meinung: Oscar Wilde schreibt zum Teil ausschweifend, blumig, sehr detailliert – für mich sind einige Passagen dadurch mühsam in die Länge gezogen worden. Aber es ist durchaus faszinierend, wie aus dem ehemals unschuldigen jungen Dorian ein Dandy wird, der sein Leben mit Oberflächlichkeiten, Verstellung, provokanten gesellschaftlichen Auftritten bar jeglicher Moralvorstellungen verbringt.

Doch leider war der Roman nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zum Teil wirklich sehr langatmig und langweilig, ich habe öfters ein paar Seiten überblättert und damit sicher nichts interessantes verpasst. Ich habe nur zuende gelesen, um zu erfahren was aus Dorian Gray und seinem Portrait wird. Schade eigentlich!

Für die Geschichte um das mysteriös alternde Bild und einen Jungen der außen schön und innen hässlich ist, kann ich mich noch begeistern. Aber der Aufbau der Geschichte und ihre Präsentation für den Leser wurde mir mit jeder Seite unerträglicher. Altkluge Weisheiten, frauenverachtende Aussagen und die latent homosexuelle, schwüle Atmosphäre geben dem Roman den Rest.

Der letzte Satz:

Erst als sie die Ringe genauer betrachteten, erkannten sie, wer es war.



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[Rezension] Clive Cussler/Paul Kemprecos – Brennendes Wasser

Erstellt von Anja am 16. Dezember 2009

Der 1. Satz:

Mit kraftvollem Schub der beiden Triebwerke hob die elegante Privatmaschine von der Startbahn ab und stieg in den Himmel von Sao Paulo empor.

Kurzbeschreibung: Kurt Austin leitet eine Mannschaft der NUMA, die an der mexikanischen Küste zunächst nur den plötzlichen Tod einer seltenen Walart untersuchen soll.  Erst nach und nach wird erkennbar, dass die Attacke mit einem scheinbar ganz anderen Spezialauftrag einer weiteren NUMA-Truppe zusammenhängt: Die ist auf den Spuren einer Legende im venezolanischen Regenwald unterwegs. Es geht die Kunde von einer weißen Göttin und einem mysteriösen Stamm mit erstaunlichen technischen Errungenschaften. Kaum jemand glaubt an die Existenz dieses Stammes – und fast niemand hält es tatsächlich für möglich, dass das Wissen um diese Gottheit tatsächlich den Lauf der Geschichte verändern könnte. Doch zu diesen wenigen gehört eine mordlustige Bande von Biopiraten, die es auf Geheimnisse von unermesslichem Wert abgesehen haben. Hinter ihnen steckt ein steinreicher Industrieller aus Kalifornien, der davon überzeugt ist, dass er durch dieses Geheimwissen ein Monopol auf die knapp gewordenen globalen Trinkwasserreserven erlangen kann. Denn er hofft auf eine Formel zu stoßen, durch die man große Mengen Salzwasser in Trinkwasser verwandeln kann. So will er die Welt erpressen und regieren. Mittlerweile hält es auch Austin für möglich, dass die mythische Göttin des venezolanischen Stammes echte wissenschaftliche Wurzeln hat. Aber mit jedem weiteren Schritt in den Urwald hinein fühlen er und sein NUMA-Team sich immer mehr als Fische auf dem Trockenen. Verfolgt von den mörderischen Feinden, müssen sie sich durch einen tödlichen Dschungel aus Verrat, Erpressung und Mord ihren eigenen Weg zur Enthüllung der Geheimnisse um die weiße Göttin bahnen.

Meine Meinung: “Brennendes Wasser” ist der zweite Roman in der Reihe der “NUMA Files”, die in Zusammenarbeit von Clive Cussler und Paul Kemprecos entstanden sind (NUMA = National Underwater & Marine Agency).

Clive Cussler schreibt unterhaltsam, weitestgehend spannend und kurzweilig. Den aktuellen Hintergrund, dass ein Unternehmen das Monopol über die weltweite Wasserversorgung übernehmen will, und dabei buchstäblich über Leichen geht, finde ich interessant und auch erschreckend.

Die NUMA stolpert über eine abenteuerliche Verschwörung und rettet die Welt alà James Bond. Das ist ein wenig zu übertrieben und unrealistisch. Die Charaktere sind mir ein wenig zu heldenhaft und mit zu vielen Klischees behaftet.

Der letzte Satz:

“Lasst uns irgendwohin fliegen, wo uns der Seewind um die Nasen weht.”

4sterne

brennendes wasser

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[Rezension] Markus Zusak – Die Bücherdiebin

Erstellt von Anja am 23. Oktober 2009

Der 1. Satz:

Zuerst die Farben.

Kurzbeschreibung: Deutschland kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Die 9-jährige Liesel wird von ihrer Mutter zu ihren neuen Pflegeeltern in Molching bei München gebracht. Auf der Zugfahrt stirbt ihr Bruder, der eigentlich auch bei den Pflegeeltern unterkommen sollte – und auf der Beerdigung stiehlt Liesel das erste Mal ein Buch, das auf dem Friedhof herumliegt: das “Handbuch für Totengräber”.

Liesel will überhaupt nicht zu ihren neuen Pflegeeltern, die Rosa und Hans Hubermann heißen – und so klammert sie sich, als sie dort abgegeben wird, an der Eingangspforte vor dem Haus fest. Dabei macht sie gleich mit dem derben Ton ihrer neuen Pflegemutter Bekanntschaft, die die Nachbarn, die zusehen, mit den Wort anblafft: “Was glotzt ihr denn so, ihr Arschlöcher?”

Doch nach und nach erfährt Liesel, dass ihre Pflegeeltern eigentlich rechtschaffene und gute Menschen sind, obwohl vor allem Rosa mit den vielen Schimpfwörtern, die sie benutzt, es einem nicht leicht macht, das zu erkennen. Hans Hubermann kümmert sich dagegen von Anfang an sehr rührend um Liesel: Er ist jedes Mal bei ihr, wenn sie nachts Albträume plagen, und er ist es auch, der Liesel schließlich das Lesen beibringt.

Dann tritt eines Tages eine neue Person in das Leben von Liesel: Max, ein Jude auf der Flucht vor den Nazis, den Hans und Rosa in ihrem Keller verstecken. Liesel freundet sich mit Max an und verbringt viel Zeit mit ihm – doch die Bedrohung, dass Max entdeckt wird, wird immer größer. Vor Liesel, ihren Pflegeeltern und Max liegen schlimme Zeiten: die ersten Bombardements durch die Alliierten, die Schikanen durch Nazis, schließlich die Einberufung von Hans Hubermann in den Krieg – und immer wieder sind es Bücher, die Liesel die Hoffnung nicht verlieren lassen – Bücher, für die sie zur Diebin wird.

Meine Meinung: Ein geniales Buch! »Die Bücherdiebin« ist die Geschichte einer Jugend im Dritten Reich, erzählt von einem unglaublich sympathischen Tod, mit prallen Figuren, dramatisch, tragisch und streckenweise komisch. Die Handlung spielt im Deutschland vor und während des Zweiten Weltkriegs. Erzähler des Romans ist der Tod, der die Seelen der Menschen einsammelt und dem sein Beruf zutiefst zuwider ist. Erzählt wird die Geschichte des zu Beginn – im Jahr 1939 – neunjährigen Mädchens Liesel Meminger. Aus kindlicher Perspektive werden ihre Erlebnisse in Molching bei München während der Zeit des Nationalsozialismus geschildert.

“Die Bücherdiebin” lässt den Leser einen etwas anderen Blick auf das Dritte Reich und seine schlimmen Folgen werfen. Es geht um das Leiden der armen Menschen, die mit der Unterdrückung und der Hetze der Nazis nicht einverstanden sind, sich aber nicht im Großen, sondern nur im Kleinen dagegen stemmen können. Man kann sich dem tragischen Schicksal der Figuren einfach nicht entziehen, leidet mit ihnen und legt am Ende das Buch etwas schockiert, traurig und zugleich bereichert aus der Hand.

Die Helden der Geschichte wachsen einem schnell ans Herz. Die Charaktere der Ersatzeltern sind überaus liebevoll mit all ihren Fehlern und Schwächen gezeichnet. Die Mutter Rosa hat eine extrem rauhe Ausstrahlung, sie nennt Liesel z. B. Saumensch und wirkt beim ersten Kennenlernen eher unsympathisch. Schon bald zeigt sich aber, dass Rosa zwar eine rauhe Schale aber ein weiches und gutes Herz hat. Der Pflegevater Hans schließt Liesel sofort in sein Herz, er ist gutmütig und warmherzig.

Besonders schön und ungewöhnlich finde ich die im Roman enthaltenen bebilderten Geschichten, die Max als Geschenke für seine Freundin Liesel gezeichnet hat.

Eine eindringliche Aufarbeitung deutscher Geschichte auf einer sehr persönlichen Ebene, die durch die außergewöhnliche Aufmachung des Buches mit seinen Zwischenbemerkungen vom Tod und Illustrationen von Max noch unterstrichen wird. Wirklich empfehlenswert für Erwachsene und Jugendliche.

Der letzte Satz:

Ich sagte es zur Bücherdiebin, und ich sage es jetzt zu euch.

5sterne

die buecherdiebin

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[Rezension] Clive Cussler – Todesfracht

Erstellt von Anja am 30. September 2009

Der erste Satz:

Der betagte Dassault Falcon Executive Jet sank majestätisch vom Himmel herab und setzte auf dem Sunan International Airfield, zwanzig Kilometer nördlich von Pjöngjang, auf.

Kurzbeschreibung: Eine Gruppe besorgter Großreeder ersucht Juan Cabrillo und seine Crew von der Oregon um Hilfe: In letzter Zeit gehen auf den Meeren Asiens immer häufiger gigantische Frachter und ihre gesamten Besatzungen spurlos verschwunden. Schon bald weisen alle Spuren auf eine unglaubliche globale Verschwörung hin, die nur ein einziges Ziel kennt – die absolute Vorherrschaft im internationalen Sklavenhandel. Und die Hoffnung vieler Unschuldiger ruht allein auf den Schultern Juan Cabrillos. Denn der ist fest entschlossen, diesem schmutzigen Geschäft ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben.

Meine Meinung: “Todesfracht” ist eine abenteuerliche und sicher nicht wirklich realitätsnahe Story, aber recht spannend und manchmal augenzwinkernd dargestellt. Clive Cussler und sein Co-Autor Jack Du Brul zeigen eine hohe fachlichen Kompetenz bezüglich allem, was mit Meeresforschung, Technik und Historie zu tun hat. Sie verweben Fiktion und Technik und historische Fakten zu einer recht unterhaltsamen Story. Der “Held” dieses Buches ist Juan Cabrillo. Er ist Kapitän des Schiffes Oregon und Kopf der Corporation. Weltweit wird diese für heikle Missionen unter und über Wasser angeheuert. In diesem Fall soll er und seine Crew das Verschwinden einiger Schiffe untersuchen. Cabrillo erscheint als moderner Indiana Jones oder auch James Bond. Alles in allem als kurzweilige Unterhaltung zu empfehlen, manchmal aber nicht ganz so spannend wie erhofft.

Der letzte Satz:

Und dir vielleicht sogar noch ein paar ganz neue Dinge zeigen.

4sterne

todesfracht

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[Rezension] Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Erstellt von Anja am 8. August 2009

Kurzbeschreibung: Als Markus Westermann in New York zum ersten Mal amerikanischen Boden betritt, ist das für ihn ein magischer Moment: Endlich ist er im “Land der unbegrenzten Möglichkeiten”, wo er ganz groß rauskommen will. Sein amerikanischer Traum scheint jedoch ausgeträumt, bevor er richtig begonnen hat: Seine Firma will ihn entlassen. Zufällig lernt er den Österreicher Karl Block kennen. Der behauptet, mit einer einzigartigen Methode Erdöl finden zu können. Markus Westermann wittert seine Chance und tatsächlich: Die beiden überzeugen eine einflussreiche Risikokapitalgesellschaft und schwimmen bald im Geld. Westermann ist auf der Überholspur – bis nicht nur ihm, sondern auch den Saudis plötzlich das Öl ausgeht. Die Welt, wie wir sie kennen, gerät aus den Fugen.

Meine Meinung: Dieser Roman von Andreas Eschbach ist, meiner Meinung nach,  kein Thriller, sondern ein genial gut recherchierter Roman, der sich ganz um Erdöl dreht. Die Geschichte um Markus Westermann wird erst nach und nach klar – Eschbach arbeitet häufig mit Rückblenden und Zeitsprüngen, zum Teil zu Ereignissen, die weit vor der eigentlichen Erzählung liegen. Ganz allmählich weitet sich so die Perspektive. Und indem der Autor viele gut recherchierte Details einarbeitet, stehen plötzlich historisch scheinbar so entfernte Episoden wie der Bau der Bagdad-Bahn anfang des 19. Jahrhunderts und die Terrorflieger vom 11. September 2001 in einem Zusammenhang. Durch diese Rückblenden werden nach und nach Figuren eingeführt, die man am Anfang schwer einschätzen kann, die sich aber letztendlich anders entwickeln als man gedacht hat. Allerdings fand ich diese wirklich sehr ausführlichen Beschreibungen der Hintergründe zum Öl manchmal sehr sehr lang, aber trotzdem interessant. Neben den Ereignissen um Markus Westermann erzählt Eschbach auch eine andere Geschichte: die Geschichte der globalisierten Welt, die förmlich am Öltropf hängt, und in der gewiefte Marketingleute, Berater und Finanzexperten mit Milliarden jonglieren. Produktion, Mobilität, Konsum, unser gesamter Lebensstil wären ohne das schwarze Gold schlicht nicht möglich. Was diese Abhängigkeit für uns alle im Ernstfall bedeuten könnte, macht sich aber wohl kaum jemand klar. Es ist wirklich sehr erschreckend, wenn man mal daran denkt, was passieren könnte wenn das Öl ausgeht. Genau dieses Szenario beschreibt Eschbach sehr detailreich und es verspricht eine sehr ungemütliche Zukunft.

Meine Wertung: 4sterne

ausgebr

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[Rezension] Gregg Hurwitz – Die Scharfrichter

Erstellt von Anja am 30. April 2009

Kurzbeschreibung: Es gibt keine Gerechtigkeit. Es gibt nur das Gesetz. Tim Rackley ist US Marshal in Los Angeles. Als seine sechsjährige Tochter brutal ermordet und der Täter wegen eines juristischen Formfehlers freigesprochen wird, gerät seine Welt aus den Fugen. Das Verlangen nach Rache wird übermächtig, und so schließt sich Rackley einer Organisation an, die sich das Ziel gesetzt hat, solche Fehler der Rechtsprechung zu beseitigen. Als skrupellose Mitglieder bei ihren Aktionen ein Blutbad anrichten, begreift Rackley, dass es eine Qual sein kann, sich zum Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen …

Meine Meinung: Um ehrlich zu sein, hätte ich mir ein wenig mehr Spannung gewünscht. Die Idee von Selbstjustiz find ich prinzipiell gut, die Umsetzung war auch ok, aber da fehlte irgendwie das gewisse Etwas. Stellenweise sehr langatmig und ausschweifend. Die letzten Seiten habe ich nur noch überflogen. Schade, aber Spannung ist was anderes.

Meine Wertung: 2sterne

scharfrichter.jpg

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