Originaltitel: Anno Dracula/The Bloody Red Baron/Dracula Cha Cha Cha
Verlag: Heyne Verlag (2. März 2009)
Genre: Fantasy
Taschenbuch: 1280 Seiten
ISBN: 978-3453532960
Kurzbeschreibung: Vergesst, was immer ihr über Dracula und seine düstere Sippschaft zu wissen glaubt – dies ist die wahre Geschichte! Eine Geschichte, die damit beginnt, dass der Vampirjäger Abraham Van Helsing versagt: Es gelingt ihm nicht, Graf Dracula in Transsylvanien zu töten. Was verheerende Folgen hat: Der Fürst der Vampire wird zum Prinzgemahl Queen Victorias und versetzt mit seinen blutsaugenden Gesellen das London der Jahrhundertwende in Angst und Schrecken. Und das ist, wie gesagt, erst der Beginn der Geschichte.
Der 1. Satz:
“Wir Szekler dürfen zu Recht stolz sein, denn in unseren Adern strömt das Blut einer Vielzahl tapferer Geschlechter, die wahre Löwenkämpfe um die Herrschaft ausfochten.”
Meine Meinung: Was für ein dicker Wälzer! “Die Vampire” von Kim Newman ist kein neuer Roman des britischen Autors, sondern beinhaltet seine früheren Werke “Anno Dracula”, “Der Rote Baron” und “Dracula Cha-Cha-Cha”, die aufeinander aufbauen. Letzteres Werk ist nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt worden und bis jetzt nur in “Die Vampire” enthalten.
Ich bin begeistert von der Idee Fantasy und bekannte historische Begebenheiten und Personen zu einem Buch zu vermischen. Graf Dracula hat am Ende doch überlebt und ist als Prinzgemahl Britanniens zurückgekehrt und gründet im viktorianischen London eine blutsaugende Vampir-Dynastie. Oder dass Dracula der wichtigste Berater des deutschen Kaisers im Ersten Weltkrieg wird und auch im mordgeplagten Rom der späten 60er auf der Matte steht. Newman macht Jack the Ripper zum Vampirmörder mit Silbermesser, Edgar Allan Poe zum Vampir-Biografen, Manfred von Richthofen zur mutierten Riesenfledermaus und lässt Orson Welles und Co. zu Draculas Hochzeit in Rom antanzen, wo auch ein Mr. Bond anwesend ist.
Der Autor hat eine Parallelwelt erschaffen, in der Vampire unter den Menschen leben und teilweise sogar mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Er verknüpft Realität geschickt mit Fiktion und lässt nicht nur wahre Personen auftreten, sondern auch fiktive – aus anderen Romanen entstandene – Persönlichkeiten. Als Leser darf man also immer wieder gespannt sein, welche Persönlichkeit ihm im Laufe des Buches begegnet und miträtseln, ob er sie kennt. Genau so spannend und interessant ist jeweils der historische Hintergrund, dessen sich Kim Newman bedient und für seine Zwecke geschickt zu ändern weiß.
Aber man wird jedoch ein wenig in die Irre geleitet, weil man ja darauf hofft, dass Dracula selbst eine Hauptrolle darin spielt. Aber das tut er nicht direkt. Dracula ist zwar während der ganzen 1280 Seiten Gesprächsstoff unter den handelnden Personen und dadurch auch immer präsent, seine wirklichen Auftritte begrenzen sich jedoch auf ein Minimum. Auch der Einstieg in die Geschichte erfordert etwas Geduld aufgrund der Masse neu auftauchender Charaktere, die man sich erst einmal merken muss, bevor man sie und deren Hintergründe überblicken kann.
Newman schreibt flüssig und sehr interessant, teilweise zum Schmunzeln, aber das Buch hat auch seine Längen. Nicht immer schreitet die Handlung flott voran, stellenweise ist echt recht zäh, aber wer trotzdem dran bleibt, wird belohnt. Romane über Vampire gibt es ja jetzt wie Sand am Meer, aber Liebhaber der klassischen Vampirliteratur werden hier auf ihre Kosten kommen. Das Format des Buches ist aber leider eher unhandlich. Einerseits ist es ja sehr gut, dass drei Bücher auf ein Mal erscheinen und das zu diesem akzeptablen Preis. Andererseits hat das Buch das Format eines Backsteins und auch das entsprechende Gewicht. Da wären drei Taschenbücher im Schuber deutlich handlicher gewesen.
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