[Kinokritik] Public Enemies
Erstellt von Anja am 27. August 2009
Handlung: Fast neun Jahre verbrachte John Dillinger in Haft. Nach seiner Entlassung im Mai 1933 holt er das Leben mit großen Atemzügen nach. Überfällt Banken, genießt Alkohol, Geld und Frauen, findet in Billie Frechette seine große Liebe, die ihm trotz erzwungener Trennungen die Treue hält. In 13 Monaten wird Dillinger zum Helden der Bevölkerung, weil er in der Zeit der Großen Depression die verhassten Banken bluten lässt. Und zu einer Reizfigur, die die Agenten des FBI und auch die mächtigen Syndikate am liebsten tot sehen würden. John Dillinger war der erste Mensch, den das FBI als “Staatsfeind Nr. 1″ bezeichnete.
Meine Meinung: John Dillinger war eigentlich schon ne “coole Sau”. Als meistgesuchter Verbrecher der USA zu dieser Zeit, spaziert er unbehelligt in ein Polizeipräsidium, nur mit einer Sonnenbrille “getarnt”, geht in das Büro der Sondereinheit Dillinger, und sieht sich in aller Ruhe Bilder von ihm und seinen Überfällen an. Im Büro sind freilich auch Polizisten, die sich ein Baseballspiel anhören. Dillinger stellt sich dazu, und fragt nach dem Spielstand, den er prompt gesagt bekommt. Danach verlässt er das Gebäude wieder unerkannt. Ob er das allerdings in Echt auch gemacht hat, wage ich zu bezweifeln…
Johnny Depp spielt den populären Bankräuber der 30er-Jahre cool, mit der richtigen Portion Machismo und faszinierend undurchsichtig, einfach grandios. Christian Bale besticht als Dillingers Verfolger: Er spielt den besten Mann des gerade gegründeten FBI, Melvin Purvis. Dieser führt moderne Ermittlungsmethoden ein und lässt Dillingers komplettes Umfeld überwachen.
Die mythische Zeit der amerikanischen 30er erweckt “Public Enemies” perfekt zum Leben. Tolle Kostüme und Kulissen. Manchmal, hauptsächlich während einiger Schießereien, war die Kameraführung etwas gewöhnungsbedürftig. Das passte irgendwie nicht in diese Zeit.
Die Charakterentwicklung fand ich zum Teil etwas dürftig, was aber nicht an der Darstellung der Schauspieler lag, sondern eher an den Machern des Films. So muss als Erklärung für Dillingers Motivation zu seinen irren Taten ein mal eben hingeworfener Halbsatz reichen. Ebenfalls nur angedeutet wird die Zerrissenheit seines Verfolgers Purvis, der von FBI-Gründer J. Edgar Hoover derart unter Druck gesetzt wurde, dass er gegen seine Prinzipien handelte, Folterverhöre und andere zweifelhafte Methoden billigen musste – und schließlich Selbstmord beging. Doch das zeigt der Film nur als Texteinblendung vor dem Abspann.
Aber trotz dieser kleinen Schwächen ist “Public Enemies” durchaus sehenswert und zu empfehlen für alle, die Johnny Depp mögen und ihn mal als charismatischen Gangster sehen wollen.
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