[Rezension] Stephen King – Qual
Erstellt von Anja am 3. April 2009
Amazon schreibt dazu:
Ein Opfer wird Täter, der Täter wird zum Opfer. Die tragische Weisheit der Kriminologie illustriert Richard Bachman alias Stephen King in diesem rasanten und tief berührenden Thriller. Blaze heißt der zurückgebliebene junge Mann mit der üblen Kindheit, der dazu gebracht wird, einen Säugling zu entführen, und damit zum Gejagten gewissenloser Polizisten wird.
Gut, Qual ist ein “Schubladenroman”, der schon 1973 geschrieben und nun überarbeitet und geschliffen wurde (1966-73 sind die produktiven Jahre des Alter Ego von Stephen King, Richard Bachman). Doch werden Friedhof der Kuscheltiere, Drei oder Es nicht mehr gelesen, weil sie in den 80er-Jahren herauskamen? Aktualität kann bei einem Autor vom Format eines Stephen King kaum das allein entscheidende Kriterium sein – zumal dann nicht, wenn, wie in diesem Fall, der Autor am Schluss des Buches sehr ausführlich und amüsant zu den Hintergründen der späten Veröffentlichung des Werks Stellung nimmt.
Doch worum geht es in diesem ebenso bedrückenden wie anrührenden Thriller? Blaze steht im Mittelpunkt des Romans, der “Schwachkopf” Blaze, der von seinem Vater schwer misshandelt wurde und eine geistige Behinderung davontrug. Mit seinem Kumpel George schlägt er sich als Kleinkrimineller durchs Leben, bis George, der Freund, Anstifter und rettende Anker bei einer Messerstecherei stirbt. Doch verschwindet er damit nicht aus dem Leben von Blaze. Georges Stimme begleitet und verfolgt ihn und bringt ihn schließlich dazu, das Baby einer wohlhabenden Familie zu entführen, um endlich das große Geld zu machen. Ob die Stimme nun psychotischen oder übernatürlichen Ursprungs ist – bald schon ist Blaze mit dem Säugling auf der Flucht. Er, der alles andere als ein skrupelloser Entführer ist, pflegt und umsorgt das bald kranke Baby und scheint zum ersten Mal eine tiefe emotionale Beziehung aufzubauen. Doch der Rest der Welt ist gegen die beiden. Verfolgt wird Blaze dabei von Polizisten, die vor allem nach Rache dürsten – das tragische Finale scheint vorprogrammiert.
Einfach toll kann ich dazu nur sagen. Stephen King schrieb dieses Buch vor Jahren in bester Richard Bachman Manier! Kein Horror oder übernatürliche Elemente… Naja, bis auf die Tatsache, dass der Hauptprotagonist ‘nen leichten Dachschaden hat und denkt, ein Geist spreche mit ihm. Aber es geht hier nicht um Monster oder Schreckgespenster. Das hier ist ein solider, schneller, gut unterhaltender und sehr packender Roman aus der Feder des Meisters! Ich hab mich gleich von Anfang an in den armen, vom Schicksal schwer mitgenommenen Clayton Blaisdell “verliebt” und musste am Ende auch mit Tränen kämpfen. Das Buch liest sich sehr schnell und wird zu keiner Sekunde langweilig. Die Rückblenden, die von Blaze’s Kindheit und Jugend erzählen, sind herzergreifend und packend. In kurzen Sätzen wird hier sehr viel Stimmung und Gefühl vermittelt – einfach überwältigend! Sehr zu empfehlen!
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